Urlaub ist, einfach allem davon zu segeln.010608
 "YOU ARE WELCOME"

dieser erste toernbericht entstand aufgrund der folgenden anfrage im FIDO (segel.ger muss es wohl gewesen sein) und brachte mich auf die idee weitere berichte zu schreiben. sardinien ist noch under konstruktion. samos ist soeben fertig geworden, und wohl auch der ausgefeilteste bericht .-. bisher ...

bei den naechsten toerns werde ich versuchen gleich logbuch zu fuehren (laengen, breiten, etc.) und die hafenhandbuecher mit einzubeziehen ... diszipliniert mich dann auch nen bischen, vielleicht ... 

jetzt aber direkt zu einem kurzen bunten ausflug in schrift und bild nach rhodos, bei dem ich viel spass wunesche ... -auch den nichtseglern!- 

anfrage von >

BERICHT 

 


... bin seit fast zwei monaten wieder zur landratte degradiert :(. zuvor habe ich denn 14 tage die dodekanes auf 12 metern unsicher gemacht. vermutlich etwas oestlicher als es Dir vorschwebt. :) was ich jedoch uneingeschraenkt bis hin zu den ionischen inseln empfehlen kann, war die jahreszeit. vollkommen mueckenlos konnte ich noch ende september jede nacht auf deck geniessen. der versuch dies hier im heimischen garten weiterzufuehren endete hingegen klaeglich, so dass ich mich bibbernd "unter deck" zurueckziehen musste. auch der beweis dafuer, dass es eben doch kein leben nach dem toern gibt ... .-. nun ja, je groesser der frust, um so mehr haengt man den erinnerungen nach. meine nehmen in rhodos ihren anfang.



inwieweit Du mit dem westlicheren revier festgelegt bis kann ich natuerlich nicht wissen, vorsorglich schildere ich aber mal meine eindruecke eines der schoenste reviere die man sich vorstellen kann.

der mandrakihaven ist der ausgangshaven mehrere charterunternehmen die, wie mehrere "stichproben" ergeben haben, allesamt sehr gepflegte segelyachten verchartern. der optische eindruck war durchaus positiv und die jeweilige mannschaft schien, ob ihrer uebernommenen schiffe, sehr ausgelassen und ueberdies daher auch sehr spendabel .-. ... was sich am anderen morgen in einer alkohol- allergie, an der ich manchmal sehr leide, bemerkbar machte. gut fuer den magen war es allemal wie sich dann herausstellte, als wir am morgen die leinen loesten und kurs auf simi nahmen. es zeigte sich, dass diejenigen die nicht den obstler der hafennachbarn eingenommen hatten enorme schwierigkeiten mit dem magen bekamen.

als der wind sich entschloss bei 6 noch eine bonuswindstaerke fuer den ersten tag zuzulegen, verzogen sich die ersten nach achtern um das meer zu hypnotisieren. tja, der gefuerchtete erste tag ...

Urlaub ist, einfach allem davon zu segeln.

... nunja, schade um das schoene abendessen. als ich dann noch "currywurst" (einen schlager von einer lokalen musikgroesse namens groenemeier) sang, verlagerte sich das crewgewicht noch weiter nach achtern um sich dann insgesamt weiter zu verringern. haette nicht gedacht, dass ein blosses lied so wirkt. fuerderhin verzichte ich daher auf derartige einlagen ... alles in allem wirkte sich der neue "trimm" nur gering auf unsere fahrt durchs wasser aus und wir erreichten nach einem schoenen schlag puenktlich simi.

fuer alle war die einfahrt in den hafen ein unglaubliches erlebnis. .-.

so oder so!

... die maegen konnte man sich dann suuuper -ganz oben auf dem berg- in einem kleinem lokal vollschlagen, wenn man die tourilokale meiden wollte. der name ist mir entfallen aber auch insgesamt laesst sich sagen, dass es keine urige taverne gab die nicht besseres essen gehabt haette als die "etablierten" dinger direkt an den haefen. vom preis ganz zu schweigen. auf der suedlichen seite simis liefen wir dann am folgetag in einen entzueckenden kleinen haven ein.

das ganze dorf ein kloster, naja, fast. nachts bimmelte dann auch regelmaessig und ohne schuldhaftes verzögern, die glocke um die uhrzeit "anzuzeigen". nur um ein uhr machte der pope ne pause .-. haben die da auch playboy late night ? wie auch immer, wir genossen die stille. von simi nahmen wir kurs auf nisiros. abgesehen von dem vulkan wars recht langweilig und der wirt in der ersten kneipe, gegenueber dem pier die rechte, hat uns den fisch losgeloest von den preisangaben der speisekarte kredenzt. andere wuerden es kurzweg beschiss nennen ... aber wir hatten ja urlaub ...

tilos lag auf dem weg zur insel chalki, war aber ansonsten nicht nach ihm und nicht nach ihr. nunja vielleicht haetten wir uns mehr ins inland wagen sollen.

chalki war der hit. schon das eisfassen war ein erlebnis. ich erklaerte mich mit hans und robert bereit mal zu gucken wo wir nen beutelchen eis fuer den kuehlschrank herbekommen. wir fanden prompt einen niedlichen kleinen laden mit einer dunklen verkaeuferin - oder war es andersrum- und orderten eis. nachdem ich laessig die tausend drachmen ueber den tisch geschoben hatte, wollte ich mich dann zur kuehltruhe begeben - zumindest hielt ich das weisse dingen in der hinteren ecke fuer eine solche ... weit gefehlt. als wir dann ueber die strasse zu dem lagerhaus gingen beschlichen mich erste bedenken, die sich auch in dem kuehlhaus in das wir gingen nicht milderten. nach der hitze draussen schlug uns die kaelte schlagartig ins gesicht, und dann ... der anblick von dutzenden 20 kilo bloecken. einer davon sollte jetzt mir gehoeren, bedeutete mir die dunkle griechin.

... ohne eine schwaeche zu zeigen stuermte ich mit meiner beute aus dem lager und in richtung schiff. "halt mal kurz hans", spielte ich den block ab. dieser gab, solange es noch ging an robert weiter, der dann erkannte, dass ich mich im eistragen am besten bewehrt haette. mit kuerzer werdenden intervallen zirkelten wir so den haven entlang, immer bedacht das wir an dem block nicht festfrieren! die moral von der geschicht: ohne handschuhe versuchs erst nicht.

der abendausflug ging dann hoch auf den berg zu einer verlassenen stadt und einem daruebergelegenem kastell. worte vermoegen nicht auszudruecken wie genial es dort war ... sonnenuntergang mit leichtem nebel ... in einer kulisse wie ... ohne worte
 
Urlaub ist, einfach allem davon zu segeln.
Urlaub ist, einfach allem davon zu segeln.

... von da ging es in einen kleinen minihaven in farnes an der westkueste rhodos. reines schlickrutschen, daher auch bei geringem tiefgang nicht zu empfehlen. mal abgesehen vom essen, bei einem total netten wirre grinsenden griechen, der keine speisekarte hatte, aber dafür tolles essen, auch nix sehenswertes. besser war es dann nach der umrundung von rhodos, mit einem tankstop rhodoshaven, in lindos. dahinter gab es eine kleine bucht. rein klappte so eben und ich bewunderte den mut der besatzung. raus ging es hingegen nicht mehr. wir hingen am anderen morgen fest, weil ploetzlich eine wahsinns welle auf die ausfahrt stand und dort ein inferno entzuendete.
 



 


gut ausgeruht entschlossen wir uns den verlorenen tag aufzuholen und rutschten bis zur insel karpathos durch. muss so in 260° gewesen sein und wir kreuzten zeitweise gegen den wind an. ich weis heute noch nicht wie das oertchen hiess (baeckernavigation schlug fehl, weil auf den tueten nix draufstand), aber der fisch war der beste den ich je gegessen habe. der grieche versorgte nach einem kurzen wink dann auch noch die frauen mit blumen ... , kostenlos, und mit den worten: "you only remembered me, something was my task" - hatte ihm wohl einer nen tip wegen der frauen gegeben ;-)- ... ja, ihr habt richtig gehoert es waren frauen an bord. gluecklicher weise sind wir dennoch nicht gesunken :) von dort aus besuchten wir, gleichsam auf dem rueckweg noch mal die highlights symi und chalki und uns ergriff langsam der abschiedsschmerz ...

(c) Dirk Henke 1996

 

Urlaub ist, einfach allem davon zu segeln.